Boreout – Wenn der Geist verkümmert
Kaum zu glauben: In einem Zeitalter, das von Stress und Überforderung geprägt ist, wird eine nicht minder zu bewertende Krankheit oft unterschätzt: der Boreout.
Beim Boreout besteht ein Ungleichgewicht zwischen Anforderung und Fähigkeiten. Statt ausgebrannt durch Überforderung (aus dem Englischen: „burned out“), leiden die Betroffenen in ihrem beruflichen Alltag unter Langeweile, Unterforderung und Desinteresse. Sie sind „bored“ – gelangweilt. Die Folgen sind ähnlich denen des Burnouts: Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Depressionen, Tinnitus, psychosomatische Beschwerden und ähnliches.
Die Auslöser eines Boreouts können unterschiedliche Voraussetzungen sein:
Unterforderung: Der Arbeitsplatz passte zum Zeitpunkt des Einstiegs optimal zum Mitarbeiter. Es wurde allerdings außer Acht gelassen, dass sich sowohl der Mitarbeiter, als auch die Anforderungen des Arbeitsplatzes weiterentwickeln. Ergo: Nach ein paar Jahren ist der Mitarbeiter für seine Stelle überqualifiziert und unterfordert.
Langeweile: Trotz klar kommuniziertem Arbeitsmangel bekommt der Mitarbeiter keine weiteren Herausforderungen von Seiten des Vorgesetzten. Grund dafür kann ein bestehendes Desinteresse des Chefs sein und stellt in diesem Fall ein klares Versagen der Führungsperson dar. Laut einer Umfrage von Salary.com verbringen 30% der Arbeitnehmer über 2 Stunden pro Tag mit Privatem, weil die Arbeit fehlt.
Desinteresse: Falsche Berufswahl, die Abteilung oder die Firma werfen die Frage nach dem Sinn der Tätigkeit auf. Wenn der Mitarbeiter keinen Bezug zu seiner Arbeitsstelle, seinen Kollegen, Vorgesetzten oder gar zum gesamten Unternehmen aufbauen kann, fehlt sein Identitätsbewusstsein. Absolutes Desinteresse an dessen weiterer Entwicklung beherrscht den Arbeitsalltag. Diese Einstellung wird bis in die Führungsebenen gefunden.
Absolut widerspruchsvoll ist das Verhalten der Betroffenen. Durch Vortäuschung von Stress, unnötig in die Länge gezogene Arbeitsaufträge aber auch extrem schnell erledigte Arbeiten, schaffen sich die Menschen viel Zeit fürs Nichtstun. Mit diesen Strategien halten sie sich in einem konstanten Zustand der Unzufriedenheit, weil ihnen im Laufe der Zeit die Energie fehlt, aus eigener Kraft aus der Situation herauszufinden.
Sowohl für Vorgesetzte, wie auch für Mitarbeiter und betroffene Führungspersonen möchte ich wertvolle Tipps, Anregungen und Überlegungen mit auf den Weg geben, damit Boreout erst gar nicht zum Thema wird.
Für Vorgesetzte:
- Übertragen Sie Ihren Mitarbeitern Aufgaben mit mehr Eigenverantwortung
- Kommunizieren Sie klar mit Ihrem Team
- Geben Sie Ihren Mitarbeitern ein offenes Ohr und zeigen Sie eindeutig Interesse an deren Belange
- Beteiligen Sie Mitarbeiter stärker in Projekte / geben Sie mehr Aufgaben ab
- Geben Sie Ihren Mitarbeitern mehr Mitbestimmung
- Bieten Sie Weiterbildung an und fördern Sie mehr eigenständiges Handeln
Für Betroffene:
- Fragen Sie nach mehr Eigenverantwortung
- Fragen Sie nach Beteiligung an Projektarbeiten
- Zeigen Sie mehr eigenverantwortliches Handeln durch nebenberufliche Zusatzausbildungen
- Engagieren Sie sich für einen internen Wechsel, wenn die aktuelle Stelle Sie nicht erfüllt
- Fragen Sie nach der Möglichkeit einer Teilzeitstelle, wenn Ihnen die Stelle zwar zusagt, es aber nicht abzusehen ist, dass sich der Arbeitsaufwand erhöht
- Schulen Sie um, wenn Sie sich nicht mit Ihrem Job identifizieren können
- Wechseln Sie Ihren Arbeitgeber
