Konfliktgespräche meistern: Wenn die Lampe noch nicht auf Rot steht
Emotionen lodern, die Gedanken sind in einer Negativspirale gefangen – der Konflikt nagt. Es ist klar, dass sich etwas ändern muss, bevor sich die Situation zu einem Brand entwickelt. Jetzt ist die richtige Zeit einzuschreiten. Wie aber vorgehen, ohne weiter Benzin in die Wunden zu schütten?
Wenn die Lampe noch nicht auf Rot steht und sich beide Parteien noch in die Augen sehen können, kann ein Konfliktgespräch sehr produktiv sein. Eine gute Vorbereitung ist dabei unablässig, um die Intention nicht ungewollt umzukehren. Denn wenn die Emotionen aus dem Ruder geraten, kann ein Konfliktgespräch eine Beziehung unbeabsichtigt zerstören. Im beruflichen Kontext kann das sogar von existenzieller Bedeutung sein.
Ich möchte Ihnen heute Tipps zur Vorbereitung und ebenso zum Ablauf eines Konfliktgesprächs geben.
Die Vorbereitung
Persönliches Ziel formulieren
Formulieren Sie für sich, was Sie mit dem Gespräch erreichen wollen. Mit diesem klaren Ziel vor Augen können Sie sachlicher argumentieren.
Neutralen Ort wählen
In einem neutralen Gesprächsrahmen kann sich keine Seite benachteiligt fühlen. Wählen Sie zum Beispiel ein Restaurant oder Ähnliches. Geben Sie dann dem Personal bescheid, dass Sie ungestört sein möchten.
Keine Begleitung
Verzichten Sie unbedingt auf eine seelische Begleitung zu dem Gespräch. Sorgen Sie dafür, dass ausschließlich Sie beide sich zur Aussprache treffen.
Während des Konfliktgesprächs
Offenheit signalisieren
Lassen Sie Ihren Gesprächspartner wissen, dass Sie sich freuen, sich heute zum Thema XY auszusprechen und seine Sichtweise verstehen wollen. Dieses „offen sein“ signalisiert, dass er Ihnen weiterhin wichtig ist und hebt seine Bereitschaft, den Konflikt zu einer positiven Lösung zu bringen.
Gemeinsamkeiten klar machen
Auch wenn es aktuell nicht so aussieht, sind Sie doch in den meisten Dingen einer Meinung. Machen Sie sich diese Dinge klar, denn dann fällt es Ihnen leichter, das störende Thema anders zu gewichten und effektiver zu lösen.
Aktiv zuhören
Nehmen Sie Ihren Gesprächspartner ernst, lassen Sie ihn ausreden. Wiederholen Sie, was er gesagt hat, um sicherzugehen, dass Sie ihn richtig verstanden haben. Zeigen Sie Aufmerksamkeit und Interesse.
Ich-Botschaften aussenden
Statt „Sie müssen meine Lage verstehen“, sagen Sie besser „Ich möchte, dass Sie meine Lage verstehen“. Aus der harten Aufforderung wird ein weiches Bitten um Verständnis.
Gefühlsausbrüche vermeiden
Auch wenn es schwer fällt: Vermeiden Sie Gefühlsausbrüche. Diese führen leicht dazu, den anderen zu verletzen und die Chance auf eine Lösung ist komplett zunichte gemacht. Sprechen Sie Gefühle an, die er und Sie selbst im Moment des Entstehens durchlebt haben. Das eröffnet Ihnen beiden jeweils die Sicht aus der anderen Perspektive und erleichtert das gegenseitige Verstehen.
Lösungsmöglichkeiten zusammentragen
Überlegen Sie gemeinsam, wie Sie aus der aktuellen Situation herauskommen können. Tragen Sie diese Möglichkeiten zusammen. Finden Sie Lösungswege, mit denen Sie beide innerlich zufrieden sind.
Leider ist es zu jeder Zeit eines Konfliktgesprächs unter vier Augen möglich, dass die Situation aus dem Ruder gerät und keine Einigung gefunden werden kann. Bevor das Thema im Folgeschluss die gerichtliche Instanz erreicht, kann ein Mediator als neutrale Person bei der Suche nach einer Lösung sehr hilfreich sein. Dieser außergerichtliche Lösungsweg kann ein Miteinander für beide Seiten wieder möglich machen.
Ich freue mich, wenn ich Ihnen heute gute Tipps an die Hand geben konnte und wünsche Ihnen, dass Sie gute Lösungswege für sich finden.
